Teil 1
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Léa
vor unserem rollenden Heim für die nächsten 4 Wochen
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Sonntag 28. Juli, Montag 29. Juli 1996
In der Nacht vom 28. auf den 29. Juli fuhren wir mit dem City Night Liner von Zürich nach Hamburg. Während früher noch Schlafwagen mit Mahagoni-Interieur, eingebauten Nachttöpfen und Messingbeschlägen zum Einsatz kamen gleichen die heutigen Wagen eher Sardinenbüchsen aus Kunststoff. Allerdings laufen diese Wagen sehr ruhig, sodass wir ausgeruht, aber mit einer Stunde Verspätung in Hamburg ankamen.
Bis wir die Vermietstation in Maschen, im Süden Hamburgs gelegen, erreichten, vergingen infolge schlechten Verbindungen durch öffentliche Verkehrsmittel nochmals 2 Stunden.
Nach einem kurzen Video über die Handhabung des Wohnmobils (im weiteren WOMO genannt) sowie einer Inspektion wurden wir um 16.00 Uhr "entlassen".
Unsere Vorräte an Esswaren füllten wir noch in Maschen auf und fuhren anschliessend über die verwirrend angelegten Autobahnen im Raume Hamburg endlich Richtung Norden.
Kurz nach Hamburg dann der erste Stau.... Unfall und für uns ein kleiner Schock: Lag doch ein WOMO völlig in Einzelteile zerlegt im Strassengraben!
Das Tagesziel Schleswig erreichten wir schliesslich gegen Abend, wo wir auch einen schönen Campingplatz in Haddeby an der Schlei fanden. Nun mussten wir uns erst einmal unser neues Zuhause einrichten und uns mit den Einrichtungen vertraut machen. Was es da so alles gibt: Kühlschrank mit Gefrierfach, Gasherd, 3-flammig, Dusche, WC, Lavabo, Heizung, Lüftungsanlage, Wassertanks und Vieles mehr.
Wetter: warm, sonnig
Dienstag 30. Juli 1996
Gut geschlafen in unserem neuen Heim mit beschränkter Kopffreiheit. Im Laden gibt' s frische Brötchen, also erst mal frühstücken.
Danach zügige Fahrt bis nach Flensburg (das BKA soll hier sein) wo wir in einem gleichentags eröffneten Einkaufszentrum unsere Vorräte ergänzten. Weiter nordwärts auf der E 45 nach Fredrikshavn (Dänemark). Unterwegs immer mal wieder leichter Nieselregen. Um 18.30 Uhr fahren wir auf das Gelände des Fährbetriebes und hoffen vergebens auf eine nächtliche Überfahrt nach Götteborg (Schweden). Wenigstens können wir die Morgenfähre für Mittwoch 07.30 Uhr buchen.
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Abendstimmung
in Fredrikshavn (DK)
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Auf einem Warteplatz im Hafengebiet verbrachten wir die Nacht. Nach dem Nachtessen (Reis, süss-sauer) unternahmen wir einen Spaziergang rund um die Hafenmohle während die Sonne prachtvoll im Meer verschwand.
Wetter: warm, teils sonnig, teils leichter Niesel
Mittwoch, 31. Juli 1996
Tagwache um 05.30 Uhr (unchristlich früh), aber wir müssen um 06.30 im Fährhafen sein. Pünktlich um 08.00 Uhr legt die Fähre ab. Die Ausfahrt aus dem Hafen, das Wenden der Fähre, beobachteten wir vom obersten Deck aus. Das Wetter bereits windig und kühler. Auf dem Schiff das Übliche: Dutty Free, vor allem Schnaps und Zigaretten, einarmige Banditen, kantinenartige Restaurants.
Um 10.00 ist Land in Sicht &emdash; Schweden. Eine Schärenlandschaft empfängt uns, noch eine Stunde lang schlängelt sich die Fähre durch die vielen Inseln und unter einer gigantischen Hängebrücke hindurch bis zum Anlegepier in Götteborg. Um 11.00 betraten wir schwedischen Boden. Ab jetzt und für die nächsten 4 Wochen immer nur mit Light on auf die Strasse &emdash; man wird freundlich daran erinnert, nur ans Löschen nicht!
Die Weiterfahrt Richtung Norden erfolgt auf der E6, ein magischer Name für alle Nordlandfahrer. Die E6 verläuft nord- und später ostwärts bis an die russische Grenze &emdash; viele tausend Kilometer.
Auf einem Parkplatz unterwegs probten wir zum ersten mal das entleeren der Toilette, alles Übungssache.
Den doch langen und erlebnisreichen Tag beendeten wir auf einem Campinplatz in Larkollen in Südnorwegen. Zum ersten mal kamen wir mit den freundlichen, hilfbereiten und unkomplizierten Norwegern in Kontakt. Mit Englisch klappte auch der Einkauf im bescheidenen Campinladen bestens. Wir kochten uns Spagetti mit frischen und süssen Erdbeeren zum Dessert.
Wetter: tagsüber wechselhaft, windig, abends kühl und regnerisch.
Donnerstag 1. August 1996
Zum Frühstück frische Brötchen und nochmals Sonne und blauer Himmel. In Moss erreichten wir wieder die E6 und nach ca. 60 km Oslo, das wir jedoch umfahren.
Falls im Weiteren der Eindruck entstehen soll, wir rasen ungebremst an Allem und Jedem vorbei Richtung Norden, hier zwei Argumente, die diesen Eindruck relativieren: Erstens verlässt uns nun für etwa eine Woche die Sonne, sie wird abgelöst durch Nebel, Regen, Wind und kühle Temperaturen, so dass Wanderungen oder Besichtigungen eher ungemütlich wären. Zweitens ist, was allfällige Stadtbesichtigungen betrifft, unser WOMO eher ungeeignet, da gross und breit und unhandlich. Und schliesslich wollen wir tatsächlich zum Nordkapp !
Etwa eine Stunde nach Oslo etwas, was wir in der Schweiz gut kennen, hier aber zum ersten, einzigen und letzten mal miterlebten: Stau auf der Autobahn Oslo - Lillehammer. Nach einer Stunde Stop and Go erreichten wir dann die Stadt Hamar, schön an einem See gelegen. In der verkehrsfreien Zone suchten wir lange vergebens einen Lebensmittelladen. Wir sahen diverse Schuh- und Kleiderläden, Restaurants, Fischereiartikel-Läden aber kein Food. Erst als wir Hamar wieder nordwärts verliessen, wurden wir fündig.
Die Strasse nach Lillehammer führt nun bereits durch dünner besiedeltes Gebiet mit viel Wälder. Die Waldschneisen der Skisprung-Anlagen der Olympiastadt 1994 sind von weither sichtbar. Alles hier sieht neu und sauber aus und wurde mit grossem Aufwand für die Olympiade hergerichtet.
Kurz nach Lillehammer verliessen wir die E6, fahren durch Nebel und Regen immer höher hinauf, bis wir auf ca. 1000 M.ü.M und nach bezahlen von 50 NOK Bom die Peer-Gynt-Veien erreichten. Dies ist eine, zumindest bei schönem Wetter, bezaubernde Landschaft mit vielen Seen, bizarren Felslandschaften, Blaubeerenbüschen und Moosen. Aber auch oder gerade bei miesem Wetter wirkt die Gegend äusserst dramatisch. Das in den skandinavischen Staaten geltende Jedermannsrecht erlaubt uns, unser WOMO am schönsten Platz aufzustellen und dort die Nacht zu verbringen.
Das Wetter nun saukalt und Dauerregen, wir mussten heizen!
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Faszinierende
Landschaft: Peer Gynt Veien
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Freitag 2. August 1996
Geweckt wurden wir durch Regen und eine bimmelnde und blöckende Schafherde, die ihrerseits das Frühstück suchte. Wir unternahmen einen kurzen Spaziergang in die Heide &emdash; bis zum nächsten Regenschauer. Weiter geht' s über die Erdstrasse bis Gola, wo unser Ticket kontrolliert und geknipst wird. In Vinstra erreicht man nach einer steilen Talfahrt wieder die E6 in Richtung Trondheim. Unterwegs ist in unregelmässigen und auch aus mehrheitlich nicht verständlichem Anlass Strassengeld, sogenannter Bom, an der Bomstasjon zu entrichten.
In Trondheim erreicht man zwar den Atlantik, das offene Meer ist wegen den vielen vorgelagerten Inseln jedoch nie sichtbar. Auf der Suche nach einem Standplatz kurvten wir in der Stadt herum. Beim Befahren einer unsichtbaren und unmarkierten Schwelle in einer 30 kmh-Zone flogen beinahe alle Tassen aus dem Schrank. Etwas ausserhalb Trondheims mit Blick auf das Trondheimsfjorden fanden wir auf einer Schotterpiste dann einen geeigneten Stellplatz.
Das Wetter immer noch regnerisch und kühl.
Samstag 3. August 1996
Das übliche Weckgeräusch.... Tropf, tropf, tropf.
Bis Narvik immer noch 800 km. In Levanger tätigten wir diverse Einkäufe: Thermometer, Gummihandschuhe (gegen Diesel-Gerüche an den Händen), warme Schlafsäcke, Micropure (Desinfektionsmittel für Wasser), Lebensmittel, Elchwurst (eigentlich die einzige Form, in welcher wir einen Elch sahen). Ergänzen der Vorräte an der Tankstelle (das Wassernehmen wie auch das betanken mit Diesel gestaltete sich sehr fummelig.
Auf der Weiterfahrt zeigte sich bei etwas nachlassendem Regen sogar wieder mal die Sonne. Die Strasse verläuft in einigem Abstand zum Meer in abwechslungsreicher Landschaft, in Form von vielen Seen und Wasserfällen bekommt man jedoch genügend Wasser zu sehen.
Etwas ausserhalb von Mosjøn fanden wir in herrlicher alpiner Landschaft einen einsamen Stellplatz (nach Angabe unseres Führers). Ausser 2 Wanderer am Abend sahen wir hier bis zum nächsten Morgen keine Seele.
Das Wetter: morgens immer noch saumässig, gegen Abend besser mit Aufhellungen, aber kühl und windig.
Sjøgata in Mosjøn
Sonntag 4. August 1996
Regenwecker...., dafür absolut ruhiger Stellplatz. In Mosjøn sahen wir uns kurz die Sjøgata (auf Pfähle errichtete Häuser am Wasser) an. Bei Egons Pizzeria kann man für DM 15.- Pizzas à discretion fooden. Wir haben jedoch so kurz nach dem Frühstück keinen Appetit auf Pizzas.
Unterwegs haben wir wieder einmal unsere Toilette entleert. Da hier fast nur noch WOMO' s unterwegs sind, ist die Ver- und Entsorgung sehr gut gelöst und auch kilometerweit vorher signalisiert.
Um 14.00 Uhr überquerten wir in einsamer und karger Landschaft auf 700 M.ü.M. den Polarsirkelen. Ein der Gegend gut angepasstes Gebäude beherbergt ein kleines Museum, eine Post (Sonderstempel), Souvenierladen und Restaurant. Davor ein riesiger Parkplatz. Der weitere Verlauf des Polarkreises ist mit Steinmännchen sichtbar gemacht worden. Die die Strasse begleitende Eisenbahn verläuft hier wegen der im Winter herrschenden Schneestürme zum Teil in Tunnels, auch die Strasse ist auf einem Damm angelegt worden.
Bis Fauske blieben wir der E6 treu, fuhren dann entlang dem Skjerstadfjorden auf der 80 westwärts Richtung Bodø.
In Løding führt der Weg für ca. 12 km sogar südwärts nach Saltstraumen. Hier ist alle 6 Stunden ein einmaliges Spektakel zu sehen. Bedingt durch den engen Ausfluss des Fjordes bekämpfen sich hier Ebbe und Flut unter Bildung gewaltiger Strudel. Das mit hoher Geschwindigkeit den Fjord verlassende Wasser trifft auf die bereits einsetzende Flut. Den Moment der höchsten Geschwindigkeit (40 kmh) verpassten wir leider, beabsichtigen aber, den Mahlstrom am nächsten Morgen nochmals zu besuchen. Die genauen Zeiten können übrigens via Internet erfragt werden.
Den ursprünglich avisierten Campinplatz haben wir verpasst, dafür einen etwas einfacheren in Løp, etwas ausserhalb Bodø gefunden. Auf dem fast leeren Platz am Atlantik konnten wir uns den optimalsten aussuchen, während der Platzchef stundenlang Holz hackte (für die Sauna oder den Winter?).
Nach kurzem Fussmarsch hat man einen schönen Blick auf das offene Meer und die Küste. Das Wasser hat in jahrelanger Arbeit gewaltige Klüfte in die Felsen gefressen.
Wetter: Regen, erst am Abend nachlassend
Montag 5. August 1996
Was wohl? Regen natürlich!
Also besuchten wir nochmals Saltstraumen und kamen gerade rechtzeitig zum Höhepunkt um 10.30 Uhr.
Nun mussten wir wieder nach Fauske und zur E6 zurück. In Fauske besuchten wir noch kurz die Marmorsteinbrüche. Hier wird rosafarbener Marmor abgebaut, der unter anderem das Rathaus in Oslo, den UNO-Palast in New York sowie das Schloss des japanischen Kaisers schmückt. Léa hat ein Stück nach Hause mitgenommen.
Die Strecke wird nun richtig interessant und abwechslungsreich! Durch viele Tunnels gehts nun rauf und runter, mal mit Blick aufs Meer, mal auf einen Fjord.
Zwischen Bognes und Skarberget besteht die E6 aus einer Fähre. Da hier im Norden nur geringer Verkehr herrscht (meist nur Touristen oder Schwerverkehr) ist auf der Fähre noch Platz frei. Das Schiff überquert innert 30 Minuten den Tysfjorden, der hier angeblich 600 Meter tief sein soll.
Das Wetter wird immer besser, der Himmel blau und die Sonne scheint warm.
In Narvik wird das aus Kiruna (S) per Bahn angefahrene Eisenerz im Hafen verladen. Gleich hinter Narvik, mit Blick auf das Meer liegt der Campinplatz. Hier haben wir erst mal Wäsche gewaschen und im Tumbler getrocknet.
Bei nun wolkenlosem Himmel ist die gegenüber südlicheren Gegenden erhöhte Sonnenscheindauer spürbar. Bereits hier wird es nicht eigentlich dunkel, sondern allenfalls dämmrig.
Wetter: wie erwähnt immer besser
Die ganze Nacht schepperten die endlos langen Erzzüge mit quietschenden Bremsen in den Hafen hinunter.
Blick über den Lyngen Fjorden