Bilder und Bericht unserer Nordkapp-Reise vom 28. Juli bis 23. August 1996

Teil 3

Freitag 16. August 1996

Geweckt wurden wir durch das in regelmässigen Abständen tutende Nebelhorn des Schiffes. Nach dem duschen wollten wir auf Deck die Einfahrt in den Hafen von Stockholm miterleben. Leider lag dichter Nebel, so dicht, dass man das Wasser nicht sehen konnte. Also erst mal zum Cafe.

Trotz Nebel legte die Fähre in Stockholm pünktlich an und da wir zuhinterst parken mussten, verliessen wir auch als fast Letzte das Schiff. Das verlassen des Hafens erforderte viel Geduld da wegen der vielen Fahrzeuge der Verkehr im Hafengebiet kurzzeitig zusammenbrach.

Das Frühstück genehmigten wir uns im WOMO, das wir an einem der vielen Wasser Stockholms parkten.

Da Stockholm eine richtige Grosstadt ist, benötigt auch das Verlassen derselben seine Zeit. Endlich auf der E4 ging' s zügig über Norrköping südwärts bis Kalmar. Über eine gigantische, 7 Kilometer lange Brücke über das Meer (Key West lässt grüssen) erreichten wir die Insel Öland, eine 140 Kilometer lange und 15 Kilometer breite Insel. Auch hier sind die Campinplätze nur noch zu ca. 1/3 belegt, sodass wir uns den schönsten aussuchen konnten. Hunde scheinen hier sehr willkommen zu sein, wird ihnen doch eine eigene Waschkabine mit Wanne, Hundbad genannt, angeboten.

Eine Wochenwäsche ist wieder einmal fällig.

Abendstimmung auf der Insel Öland

 

Wetter: immer noch heiss und trocken.

 

Samstag 17. August 1996

Frische Brötchen zum Frühstück an der Sonne. Auch die Wäsche weiss die warmen Sonnenstrahlen zu schätzen. Wieder einmal alles ent- und versorgen und dann wieder über die Brücke auf' s Festland zurück. Die Strasse verläuft nun entlang dem Meer durch eine schöne Landschaft. In Ystad erreicht man unvermittelt die Ostsee mit einem schönen Sandstrand. Weiter westwärts durch Ferien- und Badeorte, die dem Verkehrsaufkommen nach zu beurteilen, sehr beliebt sind.

In Trelleborg schliesslich besorgten wir uns für die Überfahrt nach Sassnitz Fahrkarten. Da erst wieder auf der Morgenfähre Platz ist, mussten wir die Nacht in Trelleborg verbringen. Als mittlerweile alte WOMO-Füchse wissen wir, dass die Parkplätze von Sehnswürdigkeiten sich meistens ideal zum übernachten eignen. Unmittelbar neben dem Hafen steht die historische Trelle-Burg mit grossem und leerem Parkplatz.

 

Wetter: heiss, viel Sonne

 

Sonntag 18. August 1996

Da wir um 07.00 im Fährhafen einchecken müssen, gibt es eine frühe Tagwache. Kaffe kochten wir dann bereits in der Wartekolonne am Hafen. Um 08.00 einschiffen auf der FS Sassnitz. Auf dem Oberdeck einen sonnigen Platz im Liegestuhl bezogen. Langsam verschwand die Südschwedische Küstenlandschaft, ebenso langsam kam schliesslich Nebel auf und auf Deck wurde es empfindlich kühl.

Nach 107 Kilometer und 4 Stunden kam dann die berühmte Küstenlandschaft Rügens in Sicht. Berühmt vorallem wegen seiner weissen, aus Kreide bestehenden Kliffe, die Caspar David Friedrich in seinen bekannten Bildern festhielt.

Ein erster Blick aus dem Nebel auf Sassnitz

 

Was Sylt für die Wessis, ist Rügen für die Ossis. Schon vom Schiff aus sind die hässlichen Spuren aus der Zeit der DDR sichtbar. Erst recht dann in Sassnitz selber: originale Kopfsteinpflaster-Strassen aus der Kaiserzeit, wegen Einsturzgefahr geschlossene Häuser, verwaschene und x-mal überstrichene Werbeslogans, VEB-Firmenschilder, Läden mit einem Angebot wie zu Zeiten Honis.

Erstaunt hat uns hier der rege Verkehr mit Staudendenz. Wir fahren auf Rügen südwärts bis zum Ostseebad Baabe wo der Campinplatz beinahe voll ist. Die Sauberkeit und Freizügigkeit der skandinavischen Camps sucht man hier vergebens, fast alles ist Gebührenpflichtig.

Auf der Seepromenade ist heute Markt, im Stadtpark gibt eine dreiköpfige Band ihr Repertoir zum besten (zum Teil theaterspektakel-geeignet).

 

Wetter: sonnig, heiss

 

Montag 19. August 1996

Nach dem Frühstück mieteten wir uns Fahrräder (3-gänger mit Rücktritt). Auf schönen Nebenwegen und Strassen, durch endlose Fichtenwälder sind wir über Alt Redvitz nach Thiessow gefahren. Im Strandcafe Brotzeit mit Milchreis und Apfelmus. Danach über Göhren nach Baabe zurück. Überall wird gebaut: Kliniken, Siedlungen, Einkaufszentren.

An der Having in Alt Reddevitz

Wetter: leicht dunstig

 

Dienstag 20. August 1996

Nach dem Frühstück fahren wir westwärts über Bergen nach Stralsund. Ein kurzer Rundgang in der Stadt zeigt auch hier die noch gut sichtbaren Zeugen der Vergangenheit. Die Stadt wirkt zwar freundlich, hell und sauber mit einem grossen Angebot an Westläden. Im Umfeld einer grossen Schule spürten und hörten wir jedoch den Unmut und den Frust der Ossis gegenüber uns Westlern.

Stralsund

In den 3 grossen Kirchen der Stadt wird kräftig Geld gesammelt für die dringend notwendigen Restaurierungen.

Wir besuchten noch kurz Greifswald, das zwar einen schönen Stadtkern mit bewaldetem Schutzwall besitzt, aber seit der Wende ausser einigen neueren Westläden wohl noch gleich aussieht wie vor 1989.

Ausserhalb der Städte wird zwar kräftig gebaut (riesige Einkaufszentren), die Infrastruktur hat jedoch diese Entwicklung noch nicht mitgemacht. Der gesamte Strassenverkehr zwischen den Städten an der Ostsee muss sich durch schlechte und enge Strassen mitten durch die Ortschaften drängen. In fast jeder Stadt existiert noch ein stark frequentierter Bahnübergang, durch diverse kleinere Dörfer ist Tempo 30 angesagt. Alles in allem eine eher mühsame Angelegenheit.

Unsere letzte Station im Osten erreichten wir im Ostseebad Graal-Mürlitz. Ein riesiger Campingplatz unter hohen Fichten direkt an der Ostsee. Auch dieser Platz ist noch gut besetzt, vorallem mit vielen Ganzjahres-Gästen. Am schönen und feinen Sandstrand erlebten wir einen grandiosen Sonnenuntergang.

 

Wetter: schön und heiss (30°)

 

Mittwoch 21. August 1996

Ruhetag an der Ostsee!

Ostseestrand bei Graal-Mürlitz

 

Bei 30° Lufttemperatur erfrischten wir uns kurz im 16° kalten Wasser der Ostsee.

Der Rest des Tages: herumliegen, lesen etc.

 

Wetter: schön und heiss (30°)

 

Donnerstag 22. August 1996

Heute steht die Schlussetappe auf dem Programm. Rostock wollten wir unbedingt umfahren und wählten deshalb die Strasse der Küste entlang nach Warnemünde. Der Fluss Warnow der sich hier kurz vor der Ostsee in die Breitling ergiesst wird mit einer kurzen Fähre (die letzte) überquert. In Gegenrichtung aber auch hier bereits ein Riesenstau. Auch nach Warnemünde nur mühsames Forwärtskommen, da die Fahrt alle paar Kilometer durch ein Dorf mit 30 kmh-Zone führt.

In Bad Doberan erreichen wir wieder die Hauptstrasse nach Neubukow nach Wismar. In Wismar verursacht die oft geschlossene Bahnschranke ebenfalls einen gewaltigen Stau. Danach geht' s zügig in Richtung Lübeck. Von den ehemaligen Grenzübergangsstellen ist ausser einem einsamen Wachturm nichts mehr zu sehen.

Ab Lübeck geht' s auf der Autobahn 3-spurig nach Hamburg wo wir dank unseren Ortskenntnissen auch problemlos den Bahnhof Altona fanden. Dies nachdem wir mit dem WOMO die ganze Reeperbahn in Sankt Pauli hinunterfuhren.

Bahnhof deshalb, weil wir unser Reisegepäck eigentlich gerne los hätten. Denkste &emdash; an der Auskunft wurde uns erklärt, dass die DB die Beförderung von Gepäck an einen Kurierdienst abgetreten hat und der funktioniere nur von Haus zu Haus. Unser WOMO vor dem Bahnhof wird jedoch nicht als Haus anerkannt, sodass wir auf unserem Gepäck sitzen blieben. Also quer durch den Hafen (immer der Marathon-Ideallinie entlang) zum Hauptbahnhof (mit offener Drogenszene) um wenigstens die Taschen bis zum nächsten Morgen einzustellen.

Danach fahren wir auf einem verwirrenden Autobahnnetz nach Maschen. In der Gegenrichtung 3-spuriger 16 km langer Stau! In Maschen verbringen wir dann auf einem Parkplatz die letzte Nacht im WOMO. Noch steht uns Pack- und Reinigungsarbeit bevor. Nach dem Nachtessen leeren wir die duzenden von Kästchen und Schränkchen wo sich in den 4 Wochen so vieles angesammelt hat. Aber schliesslich stehen die Taschen und Rucksäcke prall gefüllt bereit.

Das Wetter auch heute wieder heiss mit gewittertendenz gegen Abend.

 

Freitag 23. August 1996

So, das letzte mal aus dem Hochbett kriechen, nochmals frühstücken und dann die letzten Abfälle entsorgen. Um ein paar Hausecken herum zum Vermieter düsen, nochmals WC entsorgen und Tschüss sagen. Das WOMO geht gleich in die Reinigung und noch heute wieder auf Reise.

Vom Vermieter werden wir mitsamt unserem Gepäck noch bis Hamburg-Harburg gefahren, wo wesentlich bessere Verbindungen nach Hamburg bestehen.

Im Hauptbahnhof haben wir genügend Zeit für ein zweites Frühstück und kleine Einkäufe.

Gegen Mittag lösen wir unser eingestelltes Reisegepäck aus und besteigen um 12.37 Uhr den ICE-Panda nach Zürich. Unterwegs geniessen wir den First-Class Service im eleganten und schnellen Zug. Kurz nach 20.00 Uhr schliesslich treffen wir mit geringer Verspätung in Zürich ein. Angesichts der Gepäckberge nehmen wir uns ein Taxi nach Hause.

 

Hier endet unsere fast 4-wöchige Nordlandreise, die uns in eine faszinierende Landschaft führte. Weitere Reisen in den Norden sind geplant, so interessieren uns im besonderen noch die Lofoten in Norwegen sowie ganz Schweden.

Sonnenuntergang an der Ostsee

An die Adresse derjenigen, die sich in der selben Zeit bei wesentlich schlechterem Wetter im Süden Europas aufhielten, sei gesagt, dass die drei regenlosen, sonnigen und warmen Wochen, die wir im Norden erlebten, meteorologisch eher die Ausnahme darstellen.


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